Plakat Membrra Jesu Nostri


Buxtehude: Membra Jesu nostri und J.S.Bach: Actus tragicus

Sonntag, 2. April 2017, 18 Uhr, in der Matthäuskirche Karlsruhe, Vorholzstr. 47

mit einem barocken Instrumental-Consort

Leitung: Anja Daecke-Mumm

Zwei der bedeutendsten barocken Kantatenwerke stehen im Zentrum des nächsten Konzertes des Kammerchores Cantus Solis Karlsruhe in der evangelischen Matthäuskirche in Karlsruhe.

Der Passionszyklus Membra Jesu nostri von 1680 (BuxWV 75) gehört zu den umfangreichsten und großartigsten Chorwerken Dietrich Buxtehudes (1637–1707). Die sieben Kantaten, die die einzelnen Glieder des gekreuzigten Christus allegorisch betrachten, gelten als Musterbeispiele ihrer Art durch zyklische Geschlossenheit und ihre starke Expressivität. Buxtehude verbindet in seinem Werk Bibel-verse mit Versen einer mittelalterlichen Andachtsdichtung, die heute Arnulf von Löwen (†1150) zuge-schrieben wird. Der siebte Teil Salve caput cruentatum diente schon Paul Gerhardt als Vorlage für das Kirchenlied O Haupt voll Blut und Wunden, das sich zu dem Passionschoral schlechthin entwickelte und auch von Johann Sebastian Bach in der Matthäus-Passion verwendet wurde. Obwohl Buxtehudes Vokalwerk äußerst vielfältig ist, war er vor allem als Tastenvirtuose in ganz Deutschland berühmt, selbst über seinen Tod hinaus. So unternahm 1706 der 20-jährige Johann Sebastian Bach, wie andere Zeitgenossen auch, eine mehrmonatige Bildungsreise zu Buxtehude nach Lübeck, um vom berühm-testen Vertreter der norddeutschen Orgelschule zu lernen. Bachs frühe Orgel- und Klavierwerke lassen den Einfluss des großen musikalischen Vorbilds erkennen. Vermutlich im Todesjahr Buxte-hudes 1707 komponiert Bach, zu der Zeit Organist in Mühlhausen, anlässlich des Todes eines Onkels die Trauerkantate Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit (BWV 106), auch bekannt unter der Bezeichnung Actus tragicus. Sie gilt als Geniestreich des noch jungen Bachs und wird als eine seiner bedeutend-sten Kantaten angesehen. In seiner Form gehört sie zum Typus der älteren Kirchenkantaten, die noch ohne die aus der Oper stammenden Satzformen wie Rezitativ und Arie durchkomponiert wurden. Den Text kompiliert Bach aus Worten der Bibel und aus Kirchenliedern und reflektiert dabei über Gott, das Leben, die Vergänglichkeit des Menschen und den Tod. Allerdings verliert der Tod seinen Stachel durch das Evangelium, da der Mensch sich mit Jesus Christus vereint und dadurch seinem Ende getrost entgegensehen kann. Der Kontrast zwischen dem Gesetz, dem alten Bund und dem Sterben sowie dem Evangelium wird textlich wie kompositorisch immer wieder gegenübergestellt, verdichtet oder hervorgehoben. Das Instrumentarium der Kantate entspricht zwar den Gepflogen-heiten der damaligen Trauermusiken, ist dennoch in Bachs Kantatenwerk singulär. Sie besteht aus nur zwei Blockflöten, zwei Gamben und Continuo. In dieser Instrumentation liegt eine von Bach gewählte enge Verbindung zu Membra Jesu nostri Buxtehudes vor, der in der zentralen Kantate seines Zyklus Ad cor sogar den Einsatz von fünf Gamben vorsieht.


Mitwirkende

Solisten
Sopran I: Eva Lichtenberger

Sopran II: Gabriele Kübler

Alt: Annett Eichstaedt

Tenor: Mathias Langehein

Bass: Martin Popp


Barockes Instrumental-Consort1. Violine: Renate Harr

2. Violine: Sabine Brodbeck

Gamben: Sabine Kreutzberger, Barbara Pfeifer, Kevin Bourdat

Violoncello: Kevin Bourdat

Blockflöten: Ulrike Sparn, Theresa Fritz

Orgel: Berthold Fritz